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Scan-Praxis

Mikrofiche

Ein Mikrofiche ist eine flache Mikrofilmkarte (meist 105 × 148 mm), auf der stark verkleinerte Abbilder mehrerer Dokumentseiten in einem Raster angeordnet sind. Von den 1960er- bis in die 1990er-Jahre war das Format Standard für die platzsparende Langzeitarchivierung großer Aktenmengen bei Behörden, Banken und Versicherungen und wird heute überwiegend zur Digitalisierung eingescannt.

Was genau ist ein Mikrofiche?

Ein Mikrofiche ist eine flache, meist durchsichtige Filmkarte im Format 105 × 148 mm (entspricht DIN A6), auf der viele Dokumentseiten stark verkleinert in einem Raster aus Zeilen und Spalten abgebildet sind. Der Verkleinerungsfaktor liegt üblicherweise zwischen 24- und 48-fach, sodass je nach Layout 60 bis 98 Standardseiten auf eine Karte passen. Am oberen Rand trägt das Fiche meist eine lesbare Kopfzeile (Titelzeile) mit Aktenzeichen oder Bezeichnung, damit es sich auch ohne Lesegerät grob zuordnen lässt.

Neben dem verbreiteten Standardformat mit 105 × 148 mm gibt es historisch auch andere Kartengrößen sowie das sogenannte Ultrafiche mit noch stärkerer Verkleinerung, das für sehr umfangreiche Dokumentensammlungen wie technische Referenzwerke oder Ersatzteilkataloge genutzt wurde. Solche Sonderformate erfordern beim Scannen entsprechend angepasste Geräteeinstellungen.

Wofür wurde Mikrofiche eingesetzt?

Von den 1960er- bis in die 1990er-Jahre war Mikrofiche der Standard für die platzsparende Archivierung großer Datenmengen bei Banken (Kontoauszüge, Belege), Versicherungen (Policen, Schadensakten), Behörden (Grundbuch- und Katasterauszüge, Personenstandsregister) sowie Bibliotheken (Zeitschriftenarchive, Zeitungsausschnitte). Ein Aktenschrank mit tausenden Papierseiten ließ sich so auf wenige Karteikästen reduzieren – ein erheblicher Platzvorteil gegenüber Papierarchiven, der damals ohne digitale Alternative die einzige praktikable Lösung war.

Auch im technischen Bereich, etwa bei Ersatzteilkatalogen der Automobil- und Maschinenbauindustrie oder bei Bibliothekskatalogen, war Mikrofiche über Jahrzehnte Standard, weil sich große Referenzwerke so kompakt und kostengünstig vervielfältigen und an mehrere Standorte verteilen ließen.

Warum werden Mikrofiche-Bestände heute digitalisiert?

Der zentrale Grund ist die schwindende Verfügbarkeit von Lesegeräten: Fiche-Reader werden kaum noch hergestellt, Ersatzteile und Wartung sind schwer zu bekommen, und viele Organisationen haben ihre letzten funktionsfähigen Geräte bereits verloren. Ohne Lesegerät sind die Karten faktisch unlesbar, obwohl die Information physisch erhalten ist. Digitalisierung macht die Inhalte wieder zugänglich, durchsuchbar per OCR und in moderne Dokumentenmanagementsysteme integrierbar – ein Bestand, der zuvor nur mühsam einzelkartenweise durchsucht werden konnte, wird so recherchierbar.

Ein weiterer Grund ist die physische Alterung des Filmmaterials: Auch wenn Mikrofilm bei fachgerechter Lagerung sehr langlebig ist, kann unsachgemäße Lagerung – Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen, direkte Lichteinstrahlung – zu Ausbleichung oder chemischer Zersetzung führen. Eine rechtzeitige Digitalisierung sichert die Information, bevor solche Schäden die Lesbarkeit beeinträchtigen.

Wie funktioniert die Digitalisierung von Mikrofiche technisch?

Spezielle Mikrofiche-Scanner arbeiten mit einer Lichtquelle, die die Karte durchleuchtet (Durchlichtscan), und einem hochauflösenden Sensor, der jedes einzelne Rasterbild einzeln erfasst und automatisch zuschneidet. Da die Originalinformation stark verkleinert ist, wird sie beim Scan wieder auf Normalgröße vergrößert – die effektive Auflösung des Sensors muss deshalb deutlich höher liegen als bei einem normalen Papierscan, üblich sind Digitalisierungsauflösungen, die einer effektiven Auflösung von 300-400 dpi auf der Originalgröße entsprechen. Der Scanner erkennt die Rasterstruktur automatisch und legt jedes Einzelbild als separate Datei oder Seite an.

Ein entscheidender Unterschied zu normalen Papierscannern ist außerdem die Belichtungssteuerung: Weil Mikrofiche-Aufnahmen je nach Herstellungsjahr, Filmtyp und Alterung stark unterschiedliche Kontraste und Dichten aufweisen können, passen professionelle Fiche-Scanner die Belichtung automatisch pro Karte oder sogar pro Einzelbild an, statt mit einer festen Einstellung über den gesamten Bestand zu arbeiten. Das reduziert deutlich die Zahl der Karten, die manuell nachbearbeitet werden müssen.

Was ist bei einem Mikrofiche-Digitalisierungsprojekt zu beachten?

  1. Bestandssichtung: Kartentyp, Verkleinerungsfaktor, Zustand (Kratzer, Ausbleichung, Beschädigung) und Menge werden erfasst.
  2. Probescan: Eine Stichprobe klärt, ob Layout-Erkennung und Bildqualität den Anforderungen genügen, bevor der gesamte Bestand verarbeitet wird.
  3. Massendigitalisierung: Automatisierte Scanner verarbeiten große Kartenmengen mit Stapeleinzug, wo verfügbar.
  4. Qualitätskontrolle: Stichprobenweise Prüfung auf Vollständigkeit und Lesbarkeit, insbesondere bei ausgeblichenen älteren Karten.
  5. OCR und Indexierung: Texterkennung macht den Bestand durchsuchbar; die Titelzeile jeder Karte liefert oft brauchbare Metadaten für die automatische Verschlagwortung.
  6. Ausgabe in Archivformaten: Die digitalisierten Einzelbilder werden als TIFF für die Langzeitsicherung sowie als durchsuchbares PDF/A für den täglichen Gebrauch bereitgestellt und ins vorhandene DMS überführt.

Bei stark vergilbten oder beschädigten Altbeständen kann die Bildqualität schwanken – hier hilft eine vorherige Musterprüfung, realistische Erwartungen an das Digitalisierungsergebnis zu setzen.

Bei sehr großen Beständen, etwa mehreren zehntausend Karten, empfiehlt sich außerdem eine gestaffelte Lieferung statt einer Gesamtübergabe am Projektende: So lässt sich frühzeitig erkennen, ob die gewählten Scaneinstellungen über den gesamten Bestand hinweg konsistent gute Ergebnisse liefern, und bei Bedarf rechtzeitig nachsteuern.

Welche Herausforderungen bringen alte Mikrofiche-Bestände mit sich?

Neben der reinen Lesegeräte-Problematik bringen ältere Mikrofiche-Bestände oft weitere Schwierigkeiten mit: uneinheitliche Verkleinerungsfaktoren innerhalb desselben Bestands, weil über die Jahre unterschiedliche Aufnahmegeräte im Einsatz waren, fehlende oder unlesbare Kopfzeilen bei sehr alten Karten sowie teils unvollständige Kartensätze, wenn einzelne Fiches im Laufe der Jahrzehnte verloren gingen. Vor einer Massendigitalisierung lohnt sich deshalb eine strukturierte Bestandsaufnahme, um Lücken frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls mit anderen Quellen abzugleichen.

Auch die Registratur der Kartenkästen selbst kann eine eigene Herausforderung sein: Häufig existiert nur eine handschriftliche oder veraltete Karteikarten-Systematik, die für die spätere digitale Indexierung erst in ein zeitgemäßes Metadatenschema übersetzt werden muss. Ein Probescan an einem repräsentativen Querschnitt des Bestands – aus unterschiedlichen Zeitperioden und Kartenkästen – hilft, solche Unregelmäßigkeiten vor Projektbeginn zu erkennen und in die Kalkulation einzupreisen.

Wie geht es nach der Digitalisierung mit den Originalen weiter?

Nach erfolgreicher Digitalisierung und Qualitätskontrolle werden Mikrofiche-Originale meist eingelagert oder, sofern keine gesetzliche Aufbewahrungspflicht im Originalformat besteht, vernichtet. Silberhalogenidfilm ist zwar sehr langzeitstabil, verliert aber durch die fehlende Verfügbarkeit von Lesegeräten seinen praktischen Nutzen – die digitale Kopie wird zum eigentlichen Arbeitsbestand.

Bei rechtlich oder historisch besonders bedeutsamen Beständen, etwa Grundbuch- oder Kirchenbucharchiven, werden die Originalkarten häufig trotz Digitalisierung dauerhaft klimagerecht weiter aufbewahrt statt vernichtet, weil der Silberhalogenidfilm bei fachgerechter Lagerung als besonders langzeitstabiles Medium gilt und im Ernstfall eine unabhängige Rückvergleichsquelle zur digitalen Kopie bleibt. Für die Einschätzung eines konkreten Mikrofiche-Archivs hilft eine unverbindliche Anfrage über die Kontaktseite.

Häufige Fragen zu Mikrofiche

Wie viele Dokumentseiten passen auf ein Mikrofiche?+

Je nach Verkleinerungsfaktor und Rasterlayout typischerweise 60 bis 98 Seiten pro Karte im Standardformat 105 × 148 mm, bei extremer Verkleinerung (Ultrafiche) deutlich mehr.

Kann man Mikrofiches noch selbst lesen?+

Nur mit einem speziellen Lesegerät (Fiche-Reader), das die stark verkleinerten Aufnahmen vergrößert projiziert. Solche Geräte sind kaum noch verbreitet, weshalb viele Bestände heute nur noch über Digitalisierung praktisch nutzbar sind.

Wie lange halten Mikrofiches bei sachgerechter Lagerung?+

Silberhalogenid-Mikrofilm gilt bei fachgerechter Klimalagerung als sehr langzeitstabil, oft mit Angaben von mehreren hundert Jahren. Voraussetzung sind konstante Temperatur- und Feuchtigkeitswerte sowie säurefreie Aufbewahrung.

Was ist der Unterschied zwischen Mikrofiche und Mikrofilm-Rolle?+

Mikrofiche ist eine flache Karte mit rasterförmig angeordneten Einzelbildern, eine Rolle (Rollfilm) enthält dagegen eine fortlaufende Sequenz von Aufnahmen auf einem aufgewickelten Filmstreifen. Beide werden mit ähnlicher, aber unterschiedlicher Scantechnik digitalisiert.

Lohnt sich die Digitalisierung alter Mikrofiche-Bestände noch?+

In den meisten Fällen ja, weil passende Lesegeräte kaum noch verfügbar sind und digitale Bestände durchsuchbar, kopierbar und in moderne Archivsysteme integrierbar sind – ein klarer Zugewinn an Nutzbarkeit gegenüber dem Analogformat.

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